Die pädagogische Arbeit

Beobachten und Dokumentation

Die individuelle Entwicklung des Kindes steht im Mittelpunkt der Gruppe und wird durch ein « Portfolio » dokumentiert. Es wird also eine Art « Mappe » angelegt, in der die Bilder, Werke und Fotos jedes einzelnen Kindes und der Gruppe gesammelt werden. Das Kind, zusammen mit den Betreuungspersonen, entscheidet welche Dokumente gesammelt werden. Die Arbeiten dokumentieren die Entwicklungsfortschritte des Kindes und sind für das Kind, das Personal und die Eltern jeder Zeit einsehbar. Die Portfolios sind Grundlage  der Elterngespräche. Parallel dazu wird ein Gruppentagebuch geführt, welches durch die leitende pädagogische Person dokumentiert und archiviert wird. Dieses wird an Elternabenden zur Vorstellung der Gruppe genutzt. Bei der Dokumentation werden natürlich die Richtlinien des Datenschutzes beachtet.


Eingewöhnungsphase

In dem Vorgespräch wird mit den Eltern über das Kind und seine Gewohnheiten (z.B. Essen, Einschlafen, Wickeln) gesprochen und konsekutiv eine individuelle Eingewöhnungsphase vorbereitet. Von einem Elternteil der Kinder wird erwartet, sich die Zeit zur Begleitung ihrer Kinder zu nehmen. Je nach Verhalten des Kindes kann die Eingewöhnungsphase individuell unterschiedlich zwischen zwei bis vier Wochen dauern.


Jedes Kind wird in Begleitung eines Elternteiles nach seinem eigenen Tempo in die Gruppe einbezogen, um sich an eine Betreuungsperson und an die neue Umgebung zu gewöhnen. Ältere Kinder werden in dieser Phase als kleine Hilfe (Tutor) in das Konzept der Eingewöhnungsphase integriert.


Während dieser Phase ist es wichtig, dass die Eltern über alle Schritte im Rahmen der Eingewöhnung informiert sind und sich auf die Maßgaben der Erzieher verlassen, z.B. dass sie ihr Kind -besonders am Anfang- regelmäßig bringen und pünktlich abholen, da für kleine Kinder fünf Minuten zu einer Ewigkeit werden können. Weitere Gespräche werden zwischen den Eltern und der Bezugsperson, die die Ansprechpartnerin ist, eingeleitet, damit über eventuelle Veränderungen in der Familie oder Sorgen der Eltern gesprochen werden kann. Die Eingewöhnung verläuft nach dem «Berliner Eingewöhnungsmodell» in vier Phasen: die Grundphase, die Stabilisierungsphase mit kurzer Eingewöhnungszeit, die Stabilisierungsphase mit längerer Eingewöhnungszeit und die Schlussphase.
 

  • Die Grundphase
    Diese Phase dauert vier Tage.

    Erster Tag
    Das Kind bleibt mit dem begleitenden Elternteil ein oder zwei Stunden im Gruppenraum.
    Die Eltern verlassen den Raum nicht ohne ihr Kind. Im Raum bleiben sie passiv, d.h. sie ergreifen von sich aus keine Initiativen, sie sind Beobachter und bieten eine sichere Basis für das Kind. Die Erzieherin reagiert auf Kontaktversuche (ohne zu nahe zu kommen) des Kindes mit Blickkontakten, Anlächeln, Spielangebote etc. Sie beobachtet die Interaktion zwischen Mutter und Kind und lernt die Interessen des Kindes kennen.

    Zweiter Tag
    Der Tag beginnt mit einer spielerischen Situation. Das Kind wird von seinem begleitenden Elternteil gefüttert und gewickelt. Die Erzieherin nimmt daran teil, indem sie im Blickfeld des Kindes bleibt und mit dem Elternteil und dem Kind spricht. Sie erfährt etwas über die individuellen Rituale zwischen Mutter oder Vater und Kind.

    Dritter Tag
    Der Ablauf des dritten Tages ist fast identisch mit dem zweiten Tag. Diese Wiederholung bietet dem Kind eine gewisse Sicherheit. Die Erzieherin setzt die Kontaktaufnahme fort und nimmt an den Pflegesituationen beobachtend und unterstützend teil.

    Vierter Tag
    Heute wird entschieden, wie lange die von den Eltern begleitete Eingewöhnungsphase dauern wird. Wenn sich das Kind einem Spiel zugewandt hat, verlässt der Elternteil zum ersten Mal nach einer kurzen Verabschiedung den Raum. Die erste Trennung dauert höchstens 15 Minuten. Der Elternteil kommt zurück in Raum und der Tag nimmt seinen Ablauf. Die Pflegesituationen werden zum Teil von der Erzieherin übernommen. Der Elternteil bleibt neben ihr stehen und spricht sowohl mit dem Kind als auch mit der Erzieherin und überreicht ihr die nötigen Utensilien.

    Der weitere Verlauf der Eingewöhnungszeit hängt davon ab, wie das Kind auf die erste Trennung reagiert hat und wie es die Annäherung der Erzieherin angenommen hat.
    Zu diesem Zeitpunkt wird entschieden, ob eine kürzere oder eine längere Dauer für das Kind nötig ist.

 

  • Die Stabilisierungsphase- Kurze Eingewöhnungszeit

    Fünfter Tag
    Der Ablauf dieses Tages entspricht dem des vierten Tages. Die Erzieherin übernimmt die gesamte Pflege des Kindes und die Bindungsperson bleibt im Blickfeld des Kindes. Wenn das Kind zufrieden spielt, verlässt der Elternteil den Raum für kürze Zeit und bleibt in der Krippe, um jederzeit zurückkehren zu können. Wenn die Tage zuvor gut verlaufen sind, kann das Kind von der Bindungsperson schlafen gelegt werden. Während es schläft, bleiben Vater oder Mutter in der Krippe. Wenn das Kind aufwacht, wird es von dem entsprechenden Elternteil in Begleitung der Erzieherin aufgenommen.

    Sechster Tag
    Wie in den vorherigen Tagen wird das Kind mehr und mehr von der Erzieherin selbstständig betreut, inklusive Schlafengehen und Aufstehen. Der Elternteil bleibt dabei und hält eine größere Distanz zum Kind ein (im Nebenraum oder außer dem Blickfeld des Kindes) und verlässt den Raum, wenn möglich, für einen längeren Zeitrum.

 

  • Die Stabilisierungsphase - Längere Eingewöhnungszeit
    Die Beziehung zwischen Kind und Erzieherin wird weiter ausgebaut. Ohne besondere Beunruhigung lässt sich das Kind, in Anwesenheit des Elternteils, von der Erzieherin wickeln, waschen und füttern. Die Trennungen sind immer nur kurzzeitig und werden ab dem achten Tag auch im Rahmen von Pflegesituationen getestet. Falls das Kind unruhig reagiert, soll es in den folgenden Tagen wieder Sicherheit gewinnen, bevor ein neuer Trennungsversuch unternommen wird. Wichtig ist es auf die Reaktion des Kindes zu achten und ihm grundsätzlich Zeit zu lassen.
    Im Laufe der dritten Woche wird die Abwesenheit des Elternteils stufenweise bis zum Ende des Tages gesteigert. Wenn das Kind bei der Trennung protestiert aber sich von der Erzieherin trösten lässt, ist sie eine sichere Basis für das Kind geworden. Die Eingewöhnungsphase ist dann beendet.
    Wenn das Kind am Ende der dritten Woche noch starke Trennungsangst zeigt, wird in einem Gespräch mit den Eltern versucht, einen Weg zu finden. Mögliche Alternativen sind z.B. eine Verlängerung der Eingewöhnungsphase, oder die Frage zu klären, ob die Eltern grundsätzlich bereit sind die neue Umgebung ihres Kindes zu akzeptieren, oder ob die Eltern lieber ein anderes Betreuungsarrangement favorisieren würden?

 

  • Die Schlussphase
    Diese Phase bedeutet für die Eltern in der Nähe eines Telefons zu sein. Es könnte sein, dass sich das Kind bei schlechter Verfassung oder bei kleinen Schmerzen nicht von der Erzieherin trösten lässt und auf die Anwesenheit eines Elternteiles besteht.
    Die Schlussphase dauert ungefähr zwei Wochen.

    Die Beendigung der Eingewöhnungsphase wird in Absprache zwischen Eltern und Betreuungspersonen festgelegt.

Freispiel

« Das Spiel hilft Kindern, in die Gesellschaft hineinzuwachsen, Kompetenzen zu erwerben und eine eigene Identität zu entwickeln ». (BEP 2006: 30-31)

 
Kinder lernen in erster Linie durch das eigene Tun und Erleben und dabei sind alle Sinne im Einsatz. Kinder wollen entdecken, erfahren, sammeln, experimentieren, ordnen, sortieren, wiederholen. Das Freispiel bietet vielfältige Gelegenheiten, indem es Materialen (z.B. Forschungsmaterialien, Alltagsgegenstände) zur Verfügung stellt, die den Entwicklungsprozess des Kindes fördern, ihre Interessen und Sinne wecken und ihre Umwelt und eigenen Fähigkeiten erkunden. Der Spiel- und Aktionsraum ist in voneinander abgegrenzten Funktionsecken aufgeteilt: Rollenspielbereich, Bauecke, Fahrzeugplatz, Mal- und Manipulierecke, Bewegungsmobil in der Mitte des Raumes, Kuschel- und Bücherecke. Während ein Kind sein « Ich » entdeckt, wächst auch seine Aufmerksamkeit für seine Umwelt. Dabei nimmt sein Bedürfnis nach Geselligkeit und nach Spielkameraden zu. Mit ihnen lernt das Kleinkind zu teilen, herzugeben, zu warten, sich durchzusetzen und Rücksicht zu nehmen, sowie zu streiten, zu kämpfen und weitere emotionale Kompetenzen auszuleben. In der Zeit des Freispiels hat das Kind die freie Wahl von Spielpartnern, Ort, Material, Dauer und Situation. Es kann eigene Regeln für sein Spiel entwickeln oder die anderen Kinder in ihrem selbstbestimmtem Spiel beobachten.
Während dieser Zeit stehen den Kindern die unterschiedlichen Bereiche (Spielraum wie Bewegungsraum) zur Verfügung, d.h. sie können ihre Bewegungsaktivitäten fortsetzen und die Räume aus unterschiedlichen Perspektiven wahrnehmen. Auch wenn ein Kind sich in Freiheit entwickeln und entfalten soll, braucht es in seiner Umgebung sinnvolle Grenzen: Spielzeug teilen, Bereiche des Raumes erkennen und der Situation angebracht benutzen. Die Grenzen im Alltag eines Kindes bieten den Rahmen für die Entfaltung der persönlichen Freiheit.

 

« Erst durch die Grenzen um sich herum erfährt das Kind, wer es eigentlich ist, wo es anfängt und wo es aufhört. »(M. Montessori, S.141)

 

Täglich werden die Kinder Spielplätze oder Garten erforschen und ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Damit werden sie nicht nur ihre Bewegungs- und Spielmöglichkeiten erweitern, sondern auch ihre Neugier wecken ihre Umwelt besser zu verstehen. Sie sind aktiv in ihrem Lernprozess. Durch sich wiederholende Ausflüge in der Nähe werden die Kinder auf die Teilnahme an Straßenverkehr vorbereitet. Dadurch  werden auch Orientierung und Sicherheit vermittelt. Während dieser Phase des Freispiels können die Erzieher das Verhalten und die Entwicklungsfortschritte der Kinder beobachten und dokumentieren.  


Musikalische Früherziehung

Alle Kinder sind musikalisch, lassen sich schnell inspirieren und haben eine angeborene Fähigkeit zum Singen und zu rhythmischen Bewegungen.  Schon die 1,5 Jährigen haben Spaß am Singen, Tanzen, an Fingerspielen und am Instrumentalspiel. Es gibt kaum ein Kind, das sich nicht in irgendeiner Weise von Klängen und Geräuschen faszinieren lässt. Singen, Tanzen, Musizieren oder einfach nur Spielen mit geräuschvollen Gegenständen steht bei Kindern oft ganz oben auf der Beliebtheitsliste. Mit Musik können Stimmungen und Gefühle ausgedrückt und verarbeitet werden. Bei mancher Musik werden Kinder wie Erwachsene ausgelassen und fröhlich, bei anderer eher melancholisch. So erleben Kinder z.B., wie sie bei Schlaf- und Wiegenliedern durch die gleichmäßige Atmung und die ruhige Melodie selbst zu Ruhe und Gelassenheit kommen. Musik kann Kinder beruhigen oder ihnen eine wunderbare Möglichkeit bieten, sich auszuleben. Gemeinsam mit den Kindern die Welt der Musik zu entdecken bietet ungeahnt viele Möglichkeiten. Musik ist eine Sprache, die keine Dolmetscher braucht. Mit viel Spaß, Neugierde und Ideenreichtum wollen wir uns mit der Welt der Klänge und den Geräuschen auseinander setzen. Die musikalische Früherziehung besteht aus Singen und Vorsingen, Bewegung und Tanz zur Musik, Instrumentalspiel sowie Hören.  Die Betreuer schaffen eine Atmosphäre, in der die Kinder aktives Musizieren erleben und praktizieren, in der sie singen, Musik hören und mit Musik spielen können.  Die Kinder lernen Lieder, Verse und Spiele, erfahren ihre eigene Stimme als Instrument. Im Spiel erzeugen sie selbst Klänge, Töne und Rhythmen mit unterschiedlichen Musikinstrumenten oder einfach nur mit Gegenständen. Besonders werden Bewegung und Tanz gefördert, da Kinder durch Bewegung den eigenen Körper fühlen lernen und im Laufe der Zeit ihre Bewegungen immer besser koordinieren können. Das bewusste Hören der Kinder wird angeregt und ihr Gehör somit sensibilisiert. Anhand von verschiedenen Themenbereichen wie z.B. Jahreszeiten und Feste, Tiere, Körperteile, Gegenstände, Berufe etc. erleben die Kinder immer wieder die Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks. Musikerziehung hat eine positive Auswirkung auf die Entwicklung von Intelligenz, Kreativität und Sprache, Kommunikation, das Hörverhalten, das logische Denken, Ausdauer, Belastbarkeit, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, räumliches Vorstellungsvermögen, die soziale Kompetenz und Teamfähigkeit sowie die seelisch-geistige und motorische Entwicklung von Kindern.  Über die Musik werden viele Impulse oft unbewusst vermittelt. Die Auseinandersetzung damit kann alle Lernbereiche ansprechen und somit die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder ganzheitlich fördern.

Auch bei der Musik steht der Spaß mit- und aneinander und die Freude am gemeinsamen Erlebnis immer im Vordergrund!


Zielgerichtete Aktivitäten

Die Spielzeuge und die vorhandenen Materialien sollten klar und eindeutig erkennbar sein, damit es einem Kleinkind leichter fällt, sie voneinander zu unterscheiden. Sie sollten auch die kindliche Neugierde ansprechen. Die Kinder lernen insbesondere über Nachahmung und sind gute Beobachter. Deshalb werden die Erzieher ihm zeigen, wie man mit Materialen umgeht. Dann ermuntern sie das Kind, die Spiele bzw. die Materialen selber zu erkunden und zu benutzen, bis sein Interesse nachlässt. Gemeinsam am Anfang, dann allein wird das Material  an seinen Platz aufgeräumt. Das Zurückbringen gehört einfach zu dem Spielablauf.
Das Ziel ist, dass die Kinder mit allen Materialien vertraut werden und anschließend verschiedene Begriffe (z.B. Farben,  Formen) lernen und ihren Wortschatz erweitern können.


Projekte

Die Idee eines Projektes (z.B. Feste, Jahreszeiten, Vatertag, Waldtag, Musiktag, etc.) kann von allen Beteiligten, d.h. von den Eltern, von den Kindern oder von dem pädagogischen Team kommen. Durch ein Projekt kann das Kind Erfahrungen mit zielgerichtetem Handeln sammeln und die Zusammenarbeit mit anderen Kindern erlernen. Auch kann es seine eigenen Interessen mitteilen, eigene Talente entdecken und ausbauen sowie Ausdauer trainieren. Durch ein Projekt wird ein bestimmter Wortschatz eingeführt, der darüber hinaus die Sprachentwicklung des Kindes fördert. Ein Projekt kann auch gezielt für die Erwachsenen sein: ein Informationenaustausch über ein ausgewähltes Thema.